Wie wir als Zuschauer beim Marathon mitmachen können

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Tipps für alle, die Marathonläufer begleiten

Erst Frankfurt, eine Woche später Woche New York – zwei große Marathon Events versüßen Läufern den Herbst. Und wo Läufer und Läuferinnen an den Start gehen, stehen meist Familie und Freunde an der Strecke oder im Ziel bereit. Denn Marathon ohne Publikum ist wie Segeln ohne Wind – geht, aber macht nur halb so viel Spaß.

Wer zum ersten Mal Läufer auf einem Marathon begleitet, kann von der Logistik schnell erschlagen werden. Zumal wer wie ich kein Freund großer Menschenmengen ist. Mein erster Lauf war Stress pur: Als Zuschauerin beim Heidelberger Halbmarathon war ich von Menschenmengen, komplizierter Logistik und schwieriger Anfahrt überwältigt und froh, als ich am Ende Sohn und Mann wohlbehalten zurück hatte. Das ist einige Jahre her und inzwischen macht mir das Gewusel rund um die Events fast Spaß.

Für alle, die ihre Läufer*innen auf einen (Halb-)Marathon begleiten wollen, hier einige Tipps: 

Wo stellen wir uns hin? 

Der Zieleinlauf ist zwar der aufregendste Teil des Laufs, aber nicht immer der beste Platz für die Zuschauer. Vor allem wenn wir unsere Läufer persönlich sehen wollen.  

Mein Tipp: Ortskundige fragen, wo die besten Standorte sind. In Frankfurt empfahl uns ein erfahrener Teilnehmer die Verkehrsinsel vor der Zentrale der Deutschen Bank: Dort kommen die Läufer zweimal binner kurzer Zeit vorbei. Gesagt, getan – und ich kann es weiterempfehlen. 

In New York hatte mein Mann für den Marathon eine Club-Mitgliedschaft des Veranstalters abgeschlossen, und das erwies sich als gute Investition. Wir hatten Tribünenplätze entlang der Zielgeraden und konnten ihm direkt zujubeln (und allen anderen natürlich auch).

Wie lange warten wir an der Strecke? 

Bringt Geduld mit. Ihr wisst weder, wie schnell ihr zu eurem Standort durchkommt, noch wann genau eure Läufer vorbeikommen. Also stellt euch auf Warten ein. Zieht etwas Warmes an, nehmt Essen und Getränke mit und vertreibt euch die Wartezeit, indem ihr allen Läufern so zujubelt, als seien sie beste Freunde.

Wann kommen unsere Läufer? 

Je gewissenhafter eure Läufer sich vorbereiten, desto besser können sie schätzen, wann sie auf welchem Kilometer sein könnten. Genau liegen sie damit aber nie. 

Die großen Veranstalter bieten Tracking Tools über ihre Apps an. Installiert die App auf eurem Handy, macht euch vorab mit der App vertraut und stellt sicher, dass das Handy geladen ist. In New York konnten wir unseren Läufer ziemlich punktgenau verfolgen und haben das eifrig genutzt. Wir wollen ihn ja nicht verpassen, weil wir uns gerade die Nase putzen oder mit dem Hintermann plaudern. 

Mein Tipp: Merken, was der Läufer trägt – knalliges Shirt oder bunte Kappe können die Suche enorm erleichtern. Aber Achtung: In New York wusste ich nicht, dass mein Mann das Shirt vor dem Start noch wechseln wollte, und hielt nach dem falschen Shirt Ausschau gehalten.

Wo treffen wir uns nach dem Lauf? 

Auch wenn die Veranstalter Informationen zu Sammelpunkten im Internet veröffentlichen – bei diesem Punkt müssen wir auch bei bester Planung improvisieren. 

Vor Jahren ist mein Sohn beim Verlassen des Zielbereichs nach dem Kinderlauf verloren gegangen. Glücklicherweise lief er einer Freundin in die Arme. Ein anderes Mal bog er nach dem Lauf falsch ab und wir sahen auf dem Tracking Tool, wie er sich Richtung Innenstadt verlief. In New York lief er am Vortag des Marathon den 5k Run (5 km vom UN-Sitz zum Central Park) und ich musst ihn nach dem Zieleinlauf aus der Läufermenge herausfischen. Bis jetzt haben wir uns noch immer wiedergefunden. 

Auch mein Mann ging bisweilen verloren. Beim Marathon in New York gab es alphabetisch sortierte Treffpunkte in den Seitenstraßen des Central Park. Trotzdem haben wir uns am vereinbarten Treffpunkt verfehlt und erst nach einigem Hin und Her gefunden. In Frankfurt gibt es Treffpunkte hinter dem Ziel-Zelt. Uns hat das nicht geholfen, nach einigem Herumirren trafen wir unsere Läufer erst im Hotel wieder.

Was brauchen unsere Läufer, wenn sie angekommen sind? 

Direkt im Ziel ist zumindest meinen Läufern nicht nach Feiern zumute. Die abgekämpften Helden freuen sich über Einfacheres: ein frisches Shirt, eine wärmende Jacke, kühle Drinks und Bargeld für einen Snack vom Straßenstand. Und einen Plan für den Rückweg zum Hotel. Achtung: Wenn die Unterkunft nicht in Laufnähe ist, informiert euch, ob die Busse und Bahnen fahren. Auch U-Bahn-Stationen können geschlossen sein, wenn die Straßen gesperrt sind. 

Und nach dem Event?

Zurück im Hotel, freut sich euer Läufer bestimmt über etwas Gutes für den Körper: Fußpflege mit Eisbeutel, Schultermassage oder auch am Folgetag ein Termin beim Profi-Masseur. Und sicher bald ein großes zweites Frühstück im Diner um die Ecke. Viel Spaß!

Was sonst noch? 

Plant Zeit ein und rechnet mit Sicherheitskontrollen und Absperrungen. Sich durch die Menschenmengen zu wühlen, dauert ein Vielfaches der Zeit, die ihr normalerweise für den Weg bräuchtet. 

Dankt Helfern und Polizisten mit einem Lächeln für ihren Einsatz. Die Security in New York war fantastisch: Selten habe ich mich so sicher und freundlich behandelt gefühlt. Bei 55.000 Läufern und unzähligen Zuschauern ist das ein gutes Gefühl. Applaudiert allen. Natürlich feuern wir unsere eigenen Läufer an – aber alle anderen freuen sich ebenso über Applaus. Gerade wenn sie nicht auf leichtem Fuß unterwegs sind, sondern keuchen, mit Krämpfen kämpfen oder abgehängt werden –  ein kleiner Applaus kann sie beflügeln und ihr dankbares Lachen macht uns das Event noch schöner. Probiert es aus!

Essen in Japan ist…

Essen in Japan ist für Manche ein Grund, nicht hinzufahren. Für uns war es eines der Highlights zu sehen, welchen Stellenwert Essen im japanischen Leben hat. Nach unseren zwei Wochen in Tokyo und Kyoto wurden wir oft gefragt, wie wir das Essen in Japan fanden. Hier paar Antworten:

Kunstvoll

Wenn das Auge wirklich mit äße, könnte man sich am japanischen Essen satt sehen. Herrlich ist es anzuschauen. Törtchen so minutiös verziert, als hätte der Chef von Lenôtre persönlich Hand angelegt. Ein Hähnchenschenkel dekoriert mit Rosen aus handgeschnitztem Gemüse. Einem Häufchen Bratreis setzt ein knallgrünes Minzblatt die Krone auf. Und nie liegen die Speisen auf einem Teller zufällig herum, sondern immer wohl arrangiert.

Eine ernste Angelegenheit

Essen kochen kann nicht jeder, schon gar nicht in Japan. Wichtig scheinen unter anderem eine ernste Miene und schweigsame Konzentration. Selbst in einem Okonomiyaki-Restaurant, wo der Chef in offener Küche unter den Augen der Gäste herzhafte Pfannkuchen brät und das Essen meist nicht viel kostet. Andererseits: Ich habe in Japan auch außerhalb von Restaurantküchen selten jemanden laut lachen, kichern, rufen gehört oder wild gestikulieren gesehen. Vielleicht zeigt sich eine Landeskultur nirgends deutlicher als beim Essen.

Auch dieser Okonomiyaki genannte Pfannkuchen wurde mit würdevoller Konzentration gebraten

Vor allem frisch

Sushi ist frischester Fisch, nicht wahr? – Falsch geraten. Frischer als frisch ist Sashimi, das sind die großen rohen Fischbrocken, die pur oder mit Sojasoße und Wasabi verzehrt werden. Sushi soll ursprünglich eine Konservierungsmethode für rohen Fisch gewesen sein: In Tokyo aus dem Meer geholt, wurde der Fisch mit Essigreis umhüllt, um beim Transport nicht zu vergammeln. Immerhin liegen allein zwischen Tokyo und Kyoto gute 400 KM. Der pfeilschnelle Shinkanzen legt die Strecke heute in 90 Minuten zurück, aber Pferdekutschen ließen sich mehr Zeit. So rollten die Tokyoter Fischer Sushi für den Rest von Japan. Die besten Stücke aber behielten sie für sich und verspeisten sie als Sashimi.

Unser Sashimi thronte auf Eisbergen umringt von essbaren Blüten. Sah prächtig aus und schmeckte so leicht wie frischester Fisch nur schmecken kann.

Ganz schön teuer

Ja, Japanreisen sind teuer. Hoher Lebensstandard gleich hohe Preise. Die gute Nachricht: Da Essen allgegenwärtig ist und das Angebot hoch, gibt es für fast jedes Budget etwas. Und selbst die internationalen Burgerketten sollen in Japan besseres Essen über den Tresen bringen als andernorts. Vielleicht zeigen die hohen Preise ja nur, welchen Wert gutes Essen hat.

Das gegrillte Entrecôte vom Street Food Stand in Kyoto war sensationell. Der Preis von 50$ leider auch. Aber immer noch ein Schnäppchen im Vergleich zu den drei- bis vierstelligen Summen, die Kenner für Steaks der handgestreichelten Kobe Rinder ausgeben.

Allgegenwärtig

Selten habe ich so gut gegessen in Umgebungen, in denen ich zuhause bestenfalls Mittelmäßiges erwarte: Bahnhöfe, Shopping Malls, Kaufhäuser. In Tokyo liegt es angeblich daran, dass die Japaner lange arbeiten, weite Strecken pendeln und winzige Wohnungen haben. So dinieren sie lieber im Bahnhof mit Kollegen – schnell, aber bitte in bester Qualität. Und die Frauen bevölkern tagsüber die Shopping Malls, in denen sich Boutiquen an Cafés und Restaurants reihen, als seien es kleine Freizeitparks (ja, das moderne Tokyo lebt traditionelle Arbeitsteilung vor). Tipp eines lokalen Kollegen: Das Restaurant mit der längsten Schlange davor suchen, hinten anstellen und so geduldig auf einen Platz warten wie alle anderen – die Menge weiß, wo es das beste Essen gibt. Schwarmintelligenz.

Achtung, Plastik! Appetitlich und anschaulich ins Schaufenster drapiert, machen die Show-Speisen Touristen das Leben leicht – beim Bestellen einfach darauf zeigen. Shopping Zentren bieten sogar Crashkurse im Modellieren an für alle, die vor einem Plastik-Sushi als Souvenir nicht zurückschrecken.

Manchmal gewöhnungsbedürftig

Schnecken und Babyaal zum Dinner, Fisch-Salat und Tofusuppe zum Frühstück? Willkommen im Ryukan, dem traditionellen japanischen Gasthaus. Gegessen wird im Zimmer an kniehohen Tischen, geschlafen wird auf Matten, die nach dem Essen ausgerollt werden. Eine Angestellte kümmert sich persönlich um unser Wohlergehen, hilft uns in die Kimonos, serviert, kocht Tee und ist dabei so unaufdringlich wie ein Eremit. Das ausgedehnte Dinner liefert zahllose Geschmacksüberraschungen, zum Frühstück gibt’s Räucherfisch und halbfermentierten Tee. Danach sehnen wir uns nach einem Kaffee mit Croissant. Sind wir doch so europäisch?

Frühstück auf japanisch: Viele kleine Schälchen boten kunstvoll drapierte Speisen, deren Natur uns nicht immer klar war. Wir aßen tapfer, denn wir ahnten, dass Stehenlassen unhöflich wäre.

International

Kein Sorge: Wer sich von der japanischen Küche überfordert fühlt, hat Alternativen im Überfluss. Gerade ist die italienische Küche en Vogue und man sagt, die Japaner würden inzwischen bessere Pizza backen als der beste Italiener. Vorstellen kann ich es mir. Französische Küche muss zuvor en Vogue gewesen sein, denn keine Straße in Tokyo erlebten wir ohne Café, Bistro oder Croissant-Verkauf. Ich gestehe: Bei aller kulinarischer Abenteuerlust war ich froh, bisweilen vertrauten Geschmäckern zu begegnen.

Ein herrliches Millefeuille hatten wir in einem Café in Nara, umringt von älteren Damen, die uns neugierig beobachten. Zum Glück isst man auch in Japan Kuchen mit Gabeln.

Die Orte, an denen die Bilder entstanden sind, findet Ihr auf meiner Liste in Maps.

Wir schlemmen im Tantris

Bald ist Schluss mit dieser Legende. Wenn das Tantris Ende 2020 die Pforten schließt, wird es fast 50 Jahre alt geworden sein. Wir wollten schnell noch hin in dieses Sternerestaurant, dessen Name so gar nicht auf hohe deutsche Kochkunst schließen lässt. Dass es teuer würde, war uns klar. Ob es ebenso gut würde, war unsere große Frage.

1971 eröffnete Fritz Eichbauer das Restaurant in München. Der Legende nach war es es satt, immer nach Frankreich fahren zu müssen, wenn er gut essen gehen wollte. 

Der Plan ging auf. Küchenchef Eckart Witzigmann erkochte dem Tantris binnen weniger Jahre zwei Sterne, bevor er sein eigenes Restaurant eröffnete. Heinz Winkler übernahm die Küche und erkochte einen dritten Stern. Dann zog auch er weiter, um sein eigenes Restaurant zu eröffnen. 

Seit 1991 holt Hans Haas als Küchenchef im Tantris Jahr für Jahr 2 Sterne und wird das wohl tun, bis er Ende 2020 ganz unspektakulär in Rente geht. Und der inzwischen über 90-jährige Fritz Eichbauer schmaust angeblich noch immer regelmäßig in seinem Restaurant. 

So viel Beständigkeit klingt nach traditioneller Haute Cuisine in traditionellem Ambiente. Wird es so sein?

Sind Sneaker und Hoodie gut genug? 

Im Hotelzimmer gegen 18 Uhr: Wir werfen uns in Schale. Für den 12-jährigen Junior habe ich ein T-Shirt und Hoodie in dunkelblau, und – ach ja, Schuhe…leider nur seine neuen knallbaluen Sneaker. Kurzer Familienrat: Sind Sneaker das Problem oder der Hoodie, und ein Hemd ist zwar für Junior nicht nötig, aber wäre ein Poloshirt nicht besser wäre als das T-Shirt? Hinfällig ist die Diskussion, wir müssen los. Um 18:30 steht unser Tisch bereit. 

Auf ins Tantris. Das Ambiente: Außen 1970er-Jahre-Beton. Innen erwartet uns ein Asiatempel in schwarz-orange. Geflügelte Fabelwesen schmücken die Tische. Es liegt ein großes lautloses “Om” in der Luft. Was für eine schöne Überraschung! Dabei hätten wir es uns denken können. Denn Tantra steht für Praktiken im Hinduismus und Buddhismus, die uns auf der Suche nach Vollkommenheit voranbringen sollen. Die richtige Ernährung gehört bekanntlich dazu. 

Beim Eintreten werden wir freundlichst begrüßt von Damen, die Blumenkleider elegant mit schwarz-roten Sneaker kombinieren. Wir fühlen uns spießig. Und das im Sternerestaurant. 

Herrlich ist dieses Ambiente aus einer Zeit, in der extravagant und exaltiert zum guten Ton gehörten. Eine Filmkulisse. 

Der Gast in Schlangenlederboots und Dali-Bärtchen fällt nicht aus dem Rahmen, sondern fügt sich gut ins Ambiente. Die Herrschaften in Krawatte und Perlenschmuck sind in der Unterzahl, aber nicht fehl am Platz. So vielfältig kann gediegen sein. 

Vollkommenheit kommt einfach daher

Das Essen: unaufdringlich durchkomponiert. Fast einfach, aber nur fast. Die Geschmäcker treten klar hervor. Meerrettich. Dann Lachs und Zitrone. Paprika und Fisch in der Bouillabaisse. Reh und was ihm schmeichelt. Ziegenkäse von cremig bis fest, mit der Textur ändert sich der Geschmack. Das Dessert ist auch lecker. Und oh, der Wein! Der Gewürztraminer geht perfekt mit der Ziege, ich möchte das Glas aussaugen. 

Der Abend im Tantris hat uns auf unserer Suche nach Vollkommenheit beim Essen ein Stück vorangebracht. Wobei: Streben wir beim Essen nach Vollkommenheit oder nach immer wieder neuen Überraschungen? – Egal, denn beides hat das Tantris uns erfüllt: Wir wurden herrlich überrascht von einer Crew, die uns aufnahm als gehörten wir schon immer dazu. Und wir haben Perfektion in Einfachheit erlebt. Ich schmecke es noch immer auf der Zunge.

Weiterschauen:

Filmkritik: Zwischen den Zeilen – sie reden und reden

Selten wurde ich im Kino so gründlich informiert. Der Film “Zwischen den Zeilen” handelt von Betrug und Liebe (in der Reihenfolge), aber vor allem von der Digitalisierung in der Literatur- und Verlagsszene.

Beide Themen treiben den Film voran. Es wird betrogen und über Digitalisierung im Verlagswesen geredet. Viel wird geredet:

Der Verlagsleiter argumentiert, dass ein Buch voller Tweets nicht das Gleiche sei wie ein Buch voller Briefe und E-Mails.

Seine e-commerce Managerin erklärt, wie Algorithmen Literatur-Kritiker ersetzen.

Der Schriftsteller wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Romane verletzen das Recht an der eigenen Story, weil er darin seine Affären mit berühmten Frauen abbildet.

Der Verlagsinhaber sinniert über das Lesen am Smartphone und Verkaufstrends bei e-Books und Hörbüchern.

Und so weiter.

Viele Fragen, keine Antwort

Über viele der Themen könnten wir lange diskutieren und nachdenken. Über Twitter-Dialoge, neue Kritiker jenseits der Zeitungsredaktionen oder die Frage, warum Hörbücher sich besser verkaufen, wenn sie von Stars gelesen sind. Aber soweit kommt der Film nicht. Er bietet die Fragen als Appetithäppchen, aber bleibt Antworten schuldig. Damit hat er eines erreicht: dass ich über manches nachdenke, ohne voranzukommen.

Irritiert hat mich auch, dass der Film als faktisches Hörspiel daherkommt: Die Leute reden. Sie sitzen im Café, im Büro, auf dem heimischen Sofa, liegen im Hotelzimmer oder stehen an einer Bar. Und außer dass sie reden, passiert nichts. Ich bin kein Fan von Action-Filmen, aber so wenig Handlung war mir dann doch zu lahm.

Trotzdem fand ich den Film oft unterhaltsam, weil großartig gespielt, von feinem Humor durchzogen und mit überraschenden Twists gespickt.

Wem empfehle ich den Film:

Wer Woody Allen Filme mag, wird diesen Film mögen, denn oft erinnerte mich die Story an Allens Portraits der intellektuellen New Yorker.

Wer Juliette Binoche gern sieht, wird sie auch hier lieben. Wem sie in früheren Rollen zu überspannt war, der könnte ihre abgebrühte Darstellung einer betrügenden und betrogenen Schauspielerin mögen.

Wem empfehle ich den Film nicht:

Wer sich gar nicht für Literatur und Verlagsszene interessiert, erspart sich viel Langeweile.

Wer schöne Bilder mag, den wird die dokumentarische Kameraführung und nüchterne Inszenierung kalt lassen.

Tokyo im Film

Spielfilme können eine herrliche Einstimmung auf jede Reise sein. Auf dem Weg nach Tokio führt an “Lost in Translation” kaum ein Weg vorbei, eine aktuelle Ergänzung bietet “Your Name”.

Lost in Translation

“Ihr werdet müde sein in Tokyo”,  habe ich oft gehört, wenn ich von meiner geplanten Japan-Reise erzählte, “so wie die beiden in Lost in Translation.”  Bill Murray und Scarlett Johansson taumeln schlaftrunken durchs Tokioter Nachtleben, staunen sprach- und verständnislos über die Andersartigkeit der Stadt und ihrer Bewohner. Ein Überraschungserfolg von Regisseurin Sofia Coppola von 2003. Der Blick aus dem Park Hyatt auf die Stadt in der Dämmerung ist legendär und sieht offenbar noch heute genauso aus, wie Foodblogger Julien Walther in seinem wundervollen Beitrag über Tokio kürzlich zeigte. Ansonsten dürfte sich Tokyo in den 16 Jahren seit Erscheinen des Films merklich verändert haben.

Lost in Translation war ein Riesenerfolg und trotzdem mag ich den Film nicht. Nicht weil ich ihn schlecht finde, sondern weil ich die anhaltend trübe Atmosphäre schwer ertrage. Also hoffe ich, dass der Jetlag mich nicht so niederschlägt wie die Protagonisten im Film.

Your Name

Your Name war in Deutschland ein Überraschungserfolg wie Lost in Translation. Damit hört die Ähnlichkeit aber auf. Your Name ist einer der erfolgreichsten Animefilme in Japan und weltweit.

2016 erschienen, erzählt der Film die Geschichte von zwei Jugendlichen, die ganz gegensätzlich heranwachsen –  er weitgehend auf sich gestellt im Tokyoter Großstadtdschungel, sie behütet in der ländlichen Enge einer Dorfgemeinschaft. Die beiden tauschen aus unerklärlichem Grund ungewollt ihre Rollen, schlüpfen wechselweise in die Haut des anderen und erleben so die gegensätzlichen Welten. Hinzu kommen eine Zeitreise, ein Meteoriteneinschlag und eine wundersame Rettungsaktion mit Happy End.

Your Name ist wundervoll gezeichnet. Die Bilder sind anders als alles, was ich bislang im Film gesehen habe. Die verworrene und leicht mythische Geschichte spricht Realisten wie mich wohl weniger an, die liebevoll ausgearbeiteten Charaktere umso mehr.

Fazit: Die beiden Filme bieten völlig gegensätzliche Blicke auf Tokio.


Lost in Translation: Der Blick aus dem Westen, durch die Augen von Besuchern, die sich an der Fremdartigkeit der Stadt und ihrer Leute reiben. Sie treffen Japaner und verbringen Zeit mit ihnen, aber nähern sich ihnen nicht an und verstehen am Ende so wenig wie am Anfang. Kein Happy End, der Film endet im tristen Nirgends, in dem er auch begonnen hat. Reale Welt, filmisch nüchtern aus großartigen Blickwinkeln eingefangen.

Your Name: Durch und durch japanisch und trotzdem für mich nachvollziehbar. Sorgen und Nöte zweier Jugendlicher,  die in der Gesellschaft ihren Platz suchen – und finden. Realität und Traum verwischen, gestern und heute tauschen den Platz und die Unterschiede zwischen Dorf- und Stadtleben schmelzen unbemerkt dahin. Die Natur ist wunderschön, die Stadt laut und aufregend.

Ich bin froh, beide Filme gesehen zu haben, und gespannt, von welchem Film ich auf meiner Reise mehr wieder finde.

12 Tage Japan

Das Ziel steht, die Route ist fast fertig und “Guten Tag” in der Landessprache sagen geht auch schon – Japan wir kommen!

Bei der Vorbereitung unserer Japan-Reise war ich wieder froh über die eifrigen Blogger und die Rezensenten auf Maps, die Reisebüros mehr als ersetzen. Zum Beispiel Inspirationen aus einJahrJapan, herrliche Bilder auf BineLovesLife, Routenplanung dank Kolibribloggt, praktische Tipps vom WanderWeib und unzählige mehr.

Nach der Reise werde ich unsere Erfahrungen teilen. Neben Infos zur Reiseroute will ich mich um ein paar Themen ausführlicher kümmern:

Tokyo – Kyoto
12 Tage, 2 Städte. Viel Zeit nehmen wir uns für Tokyo, auch wenn uns viele sagen, das Beste an Tokyo seien die Zugverbindungen in den Rest des Landes. Für Großstadtfans scheint Tokyo Endloses zu bieten. Kyoto dagegen: Tradition, Natur, alte Gassen und dergleichen. Vielleicht erfahren wir durch diese beiden konträren Städte mehr über Japan, als eine Reise kreuz und quer durchs Land uns zeigen könnte. – Was meint Ihr? Verpassen wir Wichtiges?

Sprache
Brauchen wir Japanisch-Kenntnisse? – Viele sagen, Englisch genügt, aber ein paar Brocken Japanisch brechen das Eis. So ist es ja in den meisten Ländern. Ich lerne jedenfalls etwas Japanisch mit Apps und Hör-CD und werde berichten, ob es geholfen hat.

Essen
Tokyo hat die größte Dichte an Sterne-Restaurants weltweit, Kyoto pflegt die traditionelle Haute Cuisine Japans. Für braucht es Experimentierfreude und Geld. Zum Glück ist angeblich jeder Sushi CIrcle besser als das beste Sushi in Deutschland. Leider finden sich auf Maps so viele Bars und Restaurants, dass die Auswahl mich erschlägt. Tipps würden helfen – Muss man reservieren? Sind Restaurants, die Speisekarten mit Fotos bieten, Touristenbuden oder gute Wahl? Und kann man wirklich meist nur bar zahlen?  

Architektur
Selbst wer sich nicht für Architektur interessiert, kommt an den futuristischen Gebäudekomplexen und Aussichtstürmen in Tokyo so wenig vorbei wie an den majestätischen Tempeln und Schreinen in Kyoto. – Jenseits der bekannten Highlights: Was sollten wir auf keinen Fall verpassen?

Alltag
Shopping, Anime-Kultur und Roboter: Das sind meine Alltags-Highlights, die ich mit Japan verbinde. – Was springt Euch zuerst in den Kopf? Geishas, Ninjas, Teezeremonie? Nintendo, Sega, Sony? Oder Wirtschaft, Rezession, Karoshi (Tod durch Überarbeitung)?


Über diese Themen will ich nach der Reise schreiben. – Was interessiert Euch am meisten Japan? Und was würdet Ihr in Japan machen, wenn Ihr ein Teen-Kid dabei hättet? Ich freue mich auf Eure Kommentare.


Lego Movie 2 – Ist der zweite immer der schlechteste?

Der zweite Film sei immer der schlechteste, sagt Kind. Bei Ich – Einfach unverbesserlich sei es so gewesen, bei Transformers und und und

Gespannt, ob das auch für den Lego Movie 2 gilt, gingen wir Sonntag Nachmittag, drei Tage nach Filmstart, ins Kino. Der Andrang war mit 10 weiteren Zuschauern überschaubar.

Inhaltlich holt der Film seine Zuschauer sorgfältig ab: Wir werden erinnert, dass am Ende von Lego Movie 1 die kleine Schwester des Helden hinter den Legofiguren fortan auch in Papas Hobbykeller spielen durfte – mit ihrem Duplo. Also fällt zu Beginn vom Lego Movie II eine Horde bunter Duplo-Figuren über die Steinstadt von Emmet und Lucy her. Ein kurzer Streit zwischen Lego und Duplo, ein paar Missverständnisse – und wutentbrannt zerstören die Duplos die komplette Steinstadt.

So landen die Minifiguren in einer Mad-Max-artigen Apocalypseburg und werden fortan von bunten Fantasiesteinchen überfallen, gejagt und bedrängt. Als Lucy entführt wird, rückt Emmet aus, sie zu retten. Zu ihm gesellt sich der grimmige Antiheld Rex, der sich vornimmt, Emmet „erwachsen“ zu machen.

Eine abenteuerliche Heldenreise nimmt ihren Lauf. Inszeniert ist sie als Kulturkampf – Lego gegen Duplo, Bruder gegen Schwester und Teenager gegen Kind. Es geht schrill und schräg zu, mit Discomusik und überdrehten Superhelden, in Welten, die selbst für Legofiguren oft irreal scheinen. Durchhalten lohnt sich, denn am Ende wartet ein schöner Twist.

Das hat uns am Lego Movie 2 gefallen:

Die Umsetzung: Der Film spielt mit seinem eigenen Genre, durchbricht regelmäßig die perfekte Animation, streut Figuren und Modelle in der realen Welt ein und sorgt damit für witzige kleine Überraschungen. Ein Raumschiff fliegt durchs All und wird plötzlich als Legomodell an dünnem Faden vor einer Leinwand bewegt. Figuren hüpfen wie von unsichtbarer Hand geführt, ohne die typischen Beinbewegungen der Animation. Eine Figur fällt aus dem Film, rollt unter einen Schrank und gerät dort in Vergessenheit.

Der Held: Emmet ist noch immer liebenswert naiv und unbeirrbar optimistisch. In der Wüste erschafft er sich und seiner geliebten Lucy ein buntes Traumhäuschen, das sich in eine Fluchtrakete verwandeln lässt, und beschert uns damit eines der schönsten Sets zum Film. Sein Alter Ego Rex wurde spontan zum Lieblingsheld unseres Sohnes.

Der Spaßfaktor: Viele kleine Gags sind unaufdringlich eingestreut, dazu Zitate aus Filmen von Truman Show bis Zurück in die Zukunft. Es gibt Charaktere mit unterhaltsamen Macken, wie der selbstverliebte Batman und sein Dauerclinch mit Superman. Und es gibt viel kleines fantasievolles und wandelbares Zubehör, wie Emmets Tripledecker-Couch und Dreirad.

Das hat uns nicht so gefallen:

Die vielen Extras: Eigentlich ist die Story einfach gestrickt. Aber oft ist sie so schrill und schräg verpackt, dass ich den Faden verloren habe. Kaum wird es spannend, sorgt ein Gag oder ein Discobeat für Ablenkung. Und lauter bunte Figuren, die auffallen, aber keine Rolle spielen. Mal glotzt eine Riesengiraffe, mal stakst eine Banane durchs Bild, dann fliegen wieder grinsende Glitterherzchen. Das ist Geschmackssache – für mich hätten weniger Extras der Story zu mehr Geltung verholfen.

Friends: Ja, die Lego Friends Serie ist wohl erfolgreich. Schön, dass Lego es damit geschafft hat, mehr Mädchen zum Bauen zu bringen. Aber dass es weiterhin Mädchen- und Jungs-Welten gibt und die Figuren der Welten so ganz verschieden sind (und im echten Leben nicht kompatibel), behagt mir nicht. Dass im Film Mädchen-Sets gegen Jungs-Sets antreten, fand ich nervig – aber immerhin verbindet und versöhnt der Film die beiden Welten.

Unser Fazit:

Kind fand den Film mindestens so gut wie Lego Movie 1, vielleicht sogar besser. Wir Großen fanden ihn so lala – etwas zu wirr und schrill. Im Rückblick gefällt mir vieles immer besser und vielleicht gehe ich sogar nochmals rein. Gesamturteil: Reingehen, ansehen!

Über diesen Blog

Lego ist wunderbar, fand mein Kind schon immer. Und er hat recht. Deshalb haben wir uns anstecken lassen und sind nun als Familie den Klemmbausteinen verfallen. Und wenn wir auf Reisen gehen, lassen wir keinen Lego Store der Welt aus.

Gaming ist auch wunderbar, fand Kind, als er vor einigen Jahren die Welt der Computerspiele entdeckte. Hm, geht so, dachte ich erst – dann wurde ich neugierig, probierte aus, verlor chancenlos gegen Kind und hatte trotzdem Spaß dran. Kurzum: 2018 waren wir erstmals zu dritt auf der Gamescom und fanden es so schräg gut, dass fürs Folgejahr Termin und Hotel geblockt wurden.

Reisen und im Real Life Städte und Landschaften erkunden ist wunderbar, finden wir alle drei und erkunden die Welt, wann und wo immer möglich. Auf der Kunstbiennale in Venedig, bei Bisonherden im Yellowstone oder auf Shoppingtouren in Tokyo.

In diesem Blog will ich von unseren Erfahrungen erzählen und dabei Tipps und Anregungen geben, die ihr in die Tat umsetzen könnt, wenn ihr mögt. Ob beim Hausbau mit Lego, beim Zocken mit Mario und Luigi oder irgendwo auf Tour. Dabei erfahrt ihr immer meine persönliche Meinung, nicht gesponsert und ohne Schleichwerbung. Viel Spaß!